ZOSTERNEURALGIE

Als Zosterneuralgie, besser als postzosterische Neuralgie benannt, werden Nervenschmerzen bezeichnet, die nach dem Abheilen einer Gürtelrose verbleiben.

An der Gürtel rose erkranken meist ältere Personen über 50 Jahre, die Inzidenz (= Anzahl neuer Erkrankungsfälle)  beträgt etwa 4-5 pro 1000 Einwohner. 

Die Gürtel rose (Her pes zos ter) befällt überwiegend die Nervensegmente der unteren Brustwir belsäule, seltener den Gesichts- (= Gesichtsrose) bzw. Kopfbereich (= Kopfrose) (Herpes zoster ophthalmicus, Herpes zoster oticus).
Der Name Zos ter kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Gürtel" entsprechend der gürtelförmigen Hautausbreitung am Körperstamm. Aus diesem Grund wird die Krankheit auch als Gürtelrose bezeichnet. 

Die Schmerzerkrankung beginnt mit brennenden, juckenden Schmerzen im Bereich der befallenen Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen (= Störungen der Empfindung) einher. Schon die Berüh rung der Haut im befallenen Bereich verursacht starke Schmerzen (eine sog. Allodynie). Einige Tage später bilden sich Hauterscheinungen wie rote Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog. Effloreszenzen heilen in der Regel nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise verschwinden dann auch die Nervenschmerzen wieder. 
Hier gelangen Sie zu einer Datei, in der die Behandlung der (akuten) Gürtel rose ausführlich beschrieben wird.

Wenn der Schmerz die Hauterscheinungen der Gürtelrose überdauert, meistens nach 4-6 Wochen, dann ist die Krankheit in eine Zosterneuralgie übergegangen. 
Fünf bis zehn Prozent aller Patienten mit Gürtel rose entwickeln eine Zosterneuralgie (Loeser 1986). Eine Zosterneuralgie wird begünstigt durch Intensität und Ausmaß der akuten Gürtel rose -Erkrankung, Diabetes mellitus (= Zuckerkrankheit), Lokalisation der Gürtel rose (häufiger nach Herpes zoster ophthalmicus (= Gesichtsrose)) und vor allem das Alter der Patienten. 
Die Inzidenz (= Anzahl neuer Erkrankungsfälle) an Zosterneuralgie beträgt 20-60 Prozent bei den über 60jährigen (Struppler 1988). 
Die Zosterneuralgie wird hinsichtlich des Schmerzcharakters von den Patienten uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief drückend oder brennend, blitzartig einschießend, stechend und brennend. Fast regelmäßig besteht im Schmerzbereich eine Sensibilitätsstörung (= Störung des körperlichen Empfindens), so in Form einer Hyperpathie (= Sensibilitätsstörung als Überempfindlichkeit gegenüber allen örtlichen Reizen) oder auch Hyperalgie (= herabgesetzte Schmerzschwelle) bis hin zu einer Allodynie (=  schon die Berüh rung der Haut im befallenen Bereich führt zu  Schmerzen).

Behandlung der Zosterneuralgie:  

Beim Entstehungsmechanismus der Zosterneuralgie spielen sowohl zentrale (= im Rückenmark) als auch periphere Nervenschäden eine Rolle. Dementsprechend werden verschiedene Therapiemaßnahmen, die zentral oder/und peripher angreifen, unterschiedlich erfolgreich sein (Hefermann und Leser, 1992). 
Eine Zosterneuralgie zu behandeln ist schwierig und setzt große Erfahrung voraus. Dabei ist häufig eine gezielte "Polypragmasie" (= Durchführung mehrerer Maßnahmen gleichzeitig) erforderlich. Die Patienten betreiben zum Teil einen Schmerzmittelmissbrauch oder sind gar bereits abhängig, so daß vorrangig eine Entzugsbehandlung erforderlich ist. Infolge des chronischen Schmerzes entwickeln sich öfters psychische Veränderungen, so daß auch psychotherapeutische Interventionen notwendig werden.

Eine systemische medikamentöse Therapie der Zosterneuralgie mit Schmerzmittel nach dem WHO (= Weltgesundheitsorganisation) -Stufenschema sollte zumindest ab Stufe 3 (z.B. Gabe von Morphin) erst dann eingesetzt werden, wenn die Therapie mit Psychopharmaka, Antiepileptika (= Mittel gegen das Anfallsleiden, auch bei bestimmten Schmerzen wirksam) und nichtmedikamentösen Verfahren, sowie perkutaner (= durch die Haut hindurch) Medikamentenanwendung ausgeschöpft wurde. Antidepressiva (z.B. Doxepin, Maprotilin) (= Mittel gegen Depression), evtl. auch in Kombination mit Neuroleptika (z.B. Levomepromazin) (= Mittel zur psychischen Behandlung, aber auch gegen Zoster- Neuralgie wirksam), verschaffen Patienten mit Zosterneuralgie häufig Linderung. Wir bevorzugen Amitriptylin in einer Tagesdosis von bis zu 75 mg, da es in Kombination mit Analgetika, Antiepileptika und oder Neuroleptika stärker wirksam ist. 
Gegen die Schmerzen nach Her pes zos ter (Zosterneuralgie) wirken am besten sog. Antiepileptika (= eigentlich Mittel gegen die Fallsucht, u.a. aber auch bei Zosterneuralgie hilfreich). Als erste Wahl gelten heute Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®), als 2. Wahl Carbamazepin (z.B. Tegretal®).
Zur Wirkstoffeinsparung und damit Reduzierung der Nebenwirkungen kann Carbamazepin bzw. Gabapentin oder Pregabalin mit Baclofen (= ein Mittel zur Muskelentspannung) kombiniert werden. Manchmal ist auch die Verordnung von Keltican® (= ein Mittel, das z.T. Nervenschädigungen reparieren kann) hilfreich.

Die Zosterneuralgie kann auch perkutan (= durch die Haut hindurch) medikamentös behandelt werden. Dazu eignet sich Acetylsalicylsäure (= bekannt als Aspirin®), wobei allerdings durch ASS eine Ablösung der Hornschicht der Haut und bei Lösung in Chloroform dessen Leber- und Nierengiftigkeit zu beachten ist (Zenz 1994). 
Capsaicin, Inhaltsstoff des spanischen Pfeffers, als Creme (0,025-0,075%) verabreicht, kann ebenfalls schmerzlindernd wirken. Allerdings tolerieren einige Patienten nicht die mit der Anwendung verbundenen Hautreizungen und vorübergehende Schmerzverstärkung. 
Auch eine Iontophorese (= Verabreichung von Wirkstoffen durch die Haut mit Hilfe von Gleichstrom) mit Vincristin, ist zur Behandlung der Zosterneuralgie geeignet, wenn die Gürtel rose nicht länger als 6 Monate zurückliegt (Layman 1986).

Die Zosterneuralgie kann auch mit therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) behandelt werden. Manche Autoren behaupten, die Erfolgsrate sei abhängig von dem Zeitpunkt des Beginnes der Schmerztherapie nach Ausbruch der Gürtel rose. Nach sechs Wochen (Hempel 1993) beziehungsweise 3 Monate (Zenz 1994) sei die Zosterneuralgie in den meisten Fällen durch Nervenblockaden (= Ner venbetäubungen) nicht mehr günstig zu beeinflussen. Auch Loeser (1986) räumt der therapeutischen Lokalanästhesie bei Patienten mit einer älteren Zosterneuralgie kaum noch Nutzen ein. 
Dem widersprechen aber zum Teil die Erfahrungen anderer Autoren. Auch Hefermann und Leser (1992) berichten über gute Erfolge mit Ner venblockaden, sofern diese konsequent durchgeführt werden. 
Folgendes Vorgehen hat sich bei einer Zosterneuralgie bewährt: Nach einer positiven, schmerzlindernden Testblockade wird eine Serie von Ner venblockaden mit einem lang wirksamen örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain in einer Konzentration von 0,25%) durchgeführt, wobei anzustreben ist, die Folgeblockade immer dann anzusetzen, wenn die vorhergegangene eben abgeklungen ist. Dazu bieten sich kontinuierliche Verfahren mittels Kathetertechnik (= Einpflanzung eines dünnen Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Nerv) an. 
Im Trigeminusbereich (Zosterneuralgie im Gesicht) wird der betroffene Ast (hpts. Stir n) am zugehörigen Austrittspunkt und die dominante Schmerzregion mit einigen Millilitern eines Lokalanästhetikum s betäubt. 
In den mittleren und unteren Halssegmenten kann der Plexus brachialis (= Armnervengeflecht) entweder wiederholt mit Spritzen, oder besser mit der kontinuierlichen Technik (= Einpflanzung eines dünnen Kunststoffschlauch dicht an das Nervengeflecht) betäubt werden. Die sog. retrograd hohe Variante erlaubt eine Blockadeausbreitung bis hoch zu den Spinalwurzeln (= aus dem Rückenmark stammende Ner venwurzel an der Wir belsäule)Der interskalenäre Zugang (= im seitlichen, unteren Halsbereich) ist mit einem etwas größeren methodischen Risiko behaftet.
Bei Zosterneuralgie im Bereich der Brustwir belsäule sind zur Schmerzbehandlung Interkostalblockaden (= Betäubungen der Zwischenrippenner ven) angebracht, unterhalb von Th 12 bieten sich Periduralblockaden (= Betäubungen nahe am Rückenmark) mit Bupivacain (z.B. 0,125%) an. Sind die Ner ven ischiadicus und / oder femoralis betroffen, können diese wiederholt mit Spritzen oder auch kontinuierlich mit Katheter blockiert werden (Hefermann und Leser, 1992). 
Viele Autoren betonen, daß die Zosterneuralgie gut auf eine wiederholte Sympathikusblockade (= Betäubung eines Teils des sog. autonomes, selbständiges Nervensystems) (z.B. Auberger 1990, Hempel 1993) anspricht. Im Gesichts- und Armbereich erfolgen dazu Stellatumblockade n (= Blockaden des Ganglion stellatum, eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich).
Hempel
differenziert weiter und empfiehlt für die Trigeminusäste 1 und 2 (= Stir n, Wange) Blockaden des Gang lion cer v icale super ius (= eine weitere vegetative Schaltstelle im oberen Halsbereich) und weiter unten (3. Trigeminusast bis TH 4) Stellatumblockaden, wozu auch verdünnte Opioidlösungen (= morphinähnliche Lösungen) verwendet werden können. Im Brus t- und Lendenwirbelsäulenbereich bieten sich Periduralblockaden (= rückenmarknahe Blockaden) und im Kreuzbeinbereich Sakralanästhesien (= ebenfalls eine rückenmarknahe Blockade, in Höhe des Kreuzbeines) an. 
Topische
(= eine örtliche, oberflächlich wirkende) Lokalanästhesie der betroffenen Hautareale, zum Beispiel mit Lidocain-Spray oder Lidocain-Prilocain Creme (EMLA®), wird bei Zosterneuralgie von verschiedenen Autoren eingesetzt (Milligan 1989). Bei abnehmender Wirkung im Behandlungsverlauf ist an eine Tachyphylaxie (= Wirkungsabschwächung bei wiederholter Anwendung) zu denken. Zudem können bei lokaler Anwendung zusammen mit Nervenblockaden toxische (= giftige) Lokalanästhetikakonzentrationen erreicht werden.

Neurolytische (= nervenzerstörende) Verfahren wie zum Beispiel epidurale (= rückenmarknahe) Einspritzung von Phenol (Neuendorf 1986) sollten bei Zosterneuralgie die Ausnahme bleiben. Die Zosterneuralgie sollte auch nicht chirurgisch oder chemisch destruktiv (= zerstörend) behandelt werden, da diese Eingriffe kaum zum Erfolg führen (Kossmann 1986), beziehungsweise unbefriedigende Langzeitergebnisse bei hoher Komplikationsrate aufweisen (Hankemeier 1988). 
Bei den neurochirurgischen Verfahren sind periphere Neurektomien (= operative Teilentfernung eines Ner ven) und dorsale Rhizotomien (= chemische Unterbrechung der hinteren Wurzel des Rückenmarks) von geringem Nutzen. Am effektivsten soll bei Zosterneuralgie eine DREZ-Läsion (Läsion der dorsal-root-entry-zone) (= elektrische "Verkochung"/Zerstörung der hinteren Schmerzeintrittzone am Rückenmark) sein (Zenz 1994). Ansonsten können eher elektrische Stimulationsverfahren am Rückenmark wie SCS (spinal cord stimulation) gewählt werden. 
Die Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) mit Klebeelektroden sollte eigentlich immer versucht werden, teilweise läßt sich damit eine zufriedenstellende Schmerzlinderung erreichen. 
Akupunktur (Schmerzakupunktur) wird in der Literatur sehr unterschiedlich beurteilt. Nach Zenz (1994) hat diese Therapie bei der Zosterneuralgie keine bessere Wirkung als Placebo (= Wirkstoff-freies Scheinmedikament).

Wenn die Zosterneuralgie längerfristig besteht, ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Hier gelangen Sie zu weiteren Zosterneuralgie -Dateien: Zosterneuralgie des N. oticus, Zosterneuralgie des N. ophthalmicus und Gesichtsrose 

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Aktualisiert: 20.07.2006
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G Gastritis, Gehirninfarkt, Gehirnschlag, Gehörsturz (www.gehoersturz.org), Gelenkabnutzung, Gelenkentzündung (www.1-arthrose.de/gelenkentzuendung), Gelenkrheumatismus (www.gelenkrheumatismus.com), Gelenkskrankheit, Gelenkverschleiß (www.gelenkverschleiss.com), Genikulatumneuralgie, Geräusche im Ohr (www.ohr-geraeusche.com), Gesichtsrose (www.gesichtsrose.com), Gliederschmerzen (www.gliederschmerzen.com), Glossitis, Glossodynie, Glossopharyngeus-Neuralgie, Golferarm (www.golfer-arm.de), Gonarthritis (www.gonarthritis.de), Gonarthrose, Grazilis-Syndrom (www.grazilissyndrom.de), Gürtelrose (www.guertelrose.co.uk) (1), Gürtelrose (www.guertelrose.net) (2), Guyon-Syndrom 
H Halsrippensyndrom, Hämorrhagischer Insult (www.haemorrhagischer-insult.de), Haglund Ferse, chronisches Halswirbelsäulensyndrom, Handgelenkarthrose,
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L Laryngeus-superior-Neuralgie, Leisten-Neuralgie, Lendenwirbelsäulensyndrom (www.lendenwirbelsaeulensyndrom.de), Lippenentzündung, Lumbago (www.lumbago.eu), lumbaler Bandscheibenvorfall, Lumbalgie (http://www.lumbalgie.eu), Lumboischialgie, Lumbosakralgie, Lyme-Arthritis, Lyme-Borreliose (Erkrankung nach Zeckenbiß), Lyme Krankheit (www.lyme-krankheit.com), Lymphödem, Lymphödeme, Lymphstauung,
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U Ulcera cruris (www.ulcera-cruris.de), Ulcus cruris (1), Ulcus cruris (www.ulcus-cruris.org) (2), Ulkus cruris (www.ulcus-cruris.com), Ulnartunnel-Syndrom, unruhige Beine (www.beine-unruhige.de), Unkovertebralarthrose (www.unkovertebralarthrose.de),
Unterleibschmerz, Unterschenkelgeschwür (www.unterschenkelgeschwuer.de), Urämische Polyneuropathie, Ulzera cruris,
V Vasospastisches Syndrom, Verbiegung der Wirbelsäule / Verkrümmung der Wirbelsäule, Vulvodynie (www.vulvodynie.de), Verschlußkrankheit-arterielle, vestibuläre Migräne, Vulvodynia (www.genitalschmerz.de/vulvodynia), viscerale Schmerzsyndrome
W Wadenkrampf (www.wadenkrampf.org), Wadenkrämpfe (www.wadenkraempfe.com), Wartenberg-Syndrom, Weichteilrheuma (www.weichteilrheuma.com), Wirbelsäulenverbiegung, Wirbelsäulenverkrümmung (www.wirbelsaeulenverkruemmung.de)
Z Zeckenbiß (www.nervenschaeden.de/zeckenbiss), Zeckenborreliose (www.zeckenborreliose.de), zervikaler Bandscheibenvorfall, Zehenentzündung, chronisches Zervikal-Syndrom, Zervikobrachialsyndrom, Zervikogener Kopfschmerz, Zervikozephalgie, Zosterneuralgie (www.brennschmerzen.de/zosterneuralgie), Zosterschmerz

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